Insiderhandel

Freitag, 18. Januar 2008

Ein Skandal kommt selten alleine.

An diese Goldene Regel halten sich alle Beteiligten beim Deutschen Werkzeugbauer Gildemeiser. Nachdem Geschäftsräume durchsucht wurden und die Staatsanwaltschaft wegen Untreue, Bestechung und Steuerhinterziehung gegen den Vorstandsvorsitzenden ermittelt, kam nach Presseberichten noch ein weiterer Vorwurf hinzu: Der Verdacht auf Insiderhandel. Pünktlich zu Beginn der Razzia am Dienstag um 10 Uhr fingen die Verkäufe nach Informationen des Westfalenblatts an, insgesamt stieg das Handelsvolumen mit Gildemeisteraktien im Vergleich zum Vortag um 150%. Und in der Öffentlichkeit wurde die Razzia erst am Mittwoch bekannt.

"Da hat jemand etwas geahnt oder gewusst", sagte der Landesgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer zum Westfalenblatt. Ein gelungenes Fazit zogen die Beiden Reporter vom Westfalenblatt, Christian Althoff und Dietmar Kemper:
Wer früh von der Razzia wusste (die am Image der AG kratzte) und seine Aktien verkauft hat, konnte für den Erlös am Tag darauf annähernd die doppelte Anzahl Aktien erwerben und profitiert nun vom steigenden Kurs

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Die Insidertaktik.

Nachrichten aus unserem Nachbarland: Der französischen Staatsanwaltschaft wurden Dokumente übergeben, die offenbar Hinweise auf "Insiderhandel im Großen Stil" beim Flugzeugbauer EADS enthalten. Mehr als 20 hochrangige Mitglieder des europäischen Flugzeugbauers stehen im Verdacht, sich illegitimerweise durch den rechtzeitigen Verkauf ihrer EADS-Anteile bereichert zu haben, was allerdings kein neuer Vorwurf ist.

Zwischen November 2005 und März 2006 haben die Manager von Airbus massiv Aktien des eigenen Unternehmens verkauft, bevor im Juni 2006 ans Licht kam, dass es bei der Auslieferung des Riesenjumbos A380 eklatante Verzögerungen geben werde, was einen Sturz der EADS-Aktie um 26% zur Folge hatte.

Ich entwickle mal einen guten Plan, um reich zu werden. Ist man erst mal Manager, ist das ganze ein Selbstbedienungsladen. In den ersten zwei Jahren versucht man, auf Teufel komm raus, Gewinn zu machen wie noch nie, kauft vorher aber im großen Stil Aktien des eigenen Unternehmens. Nach ein bis zwei Jahren dann lässt man das Unternehmen kontrolliert in den Absturz schlittern, verkauft vorher seine Aktien und wird dann bestenfalls noch vom Aufsichtsrat mit einer Millionenablöse in die Wüste geschickt.


Mit den so erlangten Millionen kann man getrost den Rest seines Lebens ertragen, sich selbstständig machen oder fürs erste eine PR-Agentur beauftragen, das eigene Image wieder ein wenig zurecht zu rücken. Vielleicht ein Buch, "Meine Memoiren", dazu ein paar gekaufte Interviews in einflussreichen Zeitungen und im Fernsehen.

Und dann könnte man die gleiche Masche wie oben noch einmal abziehen.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Air Berlin Chef meldet sich zu Wort

Und sagt, er habe die Aktien, um welche es sich bei dem Verdacht des Insiderhandels geht, noch gar nicht wieder verkauft habe. (was von mir gestern vermutet wurde)
Der Vorstandschef gibt weiterhin zu Protokoll, dass der Aufsichtsrat den Vorstand erst nach den besagten Aktienkäufen zu Kaufverhandlungen mit der dba ermächtigt habe.

Etwas dubiose Ausrede, sich auf den Aufsichtsrat zu berufen, wenn sich doch ein Mitglied des Aufsichtsrates ebenfalls unter den Beschuldigten des Insidertrades befindet. Eine Entscheidung des Aufsichtsrates entsteht, d.h. man kann sie schon vor der eigentlichen Entscheidung absehen. Und als Mitglied des Aufsichtsrates könnte man eine solche entstehende, aber noch nicht feststehende Entscheidung doch mal eben dem Vorstandschef "zwitschern" und sich anschließend, noch bevor der Aufsichtsrat seine "Entscheidung" bekannt gibt, sich daran machen, mit Aktien einzudecken, reingewaschen von irgendwelchen nachweisbaren Insidergeschäften

Man sollte generell nicht glauben, dass es um die Kommunikation zwischen Vorstand und Aufsichtsrat in größeren Unternehmen so schlecht gestellt ist, dass der eine nicht weiß was der Andere tun wird. Meistens kennen sich die Personen in Aufsichtsrat und Vorstand schon jahrelang, auch privat.

Bei dem fraglichen Aufsichtsratsmitglied handelt es sich höchstwahrscheinlich um Johannes Zurnieden, der Mitte des letzten Jahres ebenso wie der heutige Vorstandsvorsitzende mehrmals Aktien des Unternehmens gekauft hat. Nämlich am 4, 5 und 6 Juli 2006 jeweils Aktien im Wert von mehr als 200.000 Euro.

Zur Erinnerung: Die Geheimhaltungsvereinbarung zwischen dba und Air Berlin wurde am 26. Mai geschlossen. Am 15. Juli ermächtigte der Aufsichtsrat den Vorstand zu Kaufverhandlungen.

Auch die Tatsache, dass der Bruder von Joachim Hunold ebenfalls in besagtem Zeitraum Aktien des Unternehmens kaufte, sollte zumindest im Hinterkopf behalten werden.

Das Handelsblatt schreibt jedenfalls zum Fall Air Berlin:

Die von ihm [Joachim Hunold] gewählte Rechtsform der „public limited company“, kurz „plc“, ist von der Struktur her wesentlich verschlossener als eine deutsche AG. Air Berlin gilt zudem als unternehmensberaterfreie Zone. Und dass sein Bruder Peter Hunold eine Führungsposition innehat und im Gleichschritt mit ihm im Sommer 2006 Aktien gekauft hat, steht für enge, zu enge Familienbande.

Die Aktien von Air Berlin sind somit eine Wette auf die Integrität des Vorstandschefs. Aktionäre und Investoren haben es geahnt – und schon vor den Insidervorwürfen Vorsicht walten lassen. Quelle: handelsblatt

Dienstag, 19. Juni 2007

Insidertrades bei Air Berlin? Oder: Ein kleiner Exkurs in die Welt der Börse.

Eine Durchsuchung seiner Geschäftsräume musste der deutsche Low-cost-carrier Air Berlin heute morgen über sich ergehen lassen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauten auf Insiderhandel, mehrere hochrangige Entscheider der Fluglinie sollen aus den eigenen Entscheidungen Profit geschlagen haben, indem sie kurz vor der Übernahme einer anderen Fluglinie massiv Aktien des eigenen Unternehmens gekauft haben sollen.

Air Berlin weist diese Vorwürfe zwar als absurd zurück. Wenn man sich allerdings mit der Börse und ihren Gesetzen ein wenig auskennt sieht man diesen Vorwurf bestätigt. Eine Unternehmensübernahme beflügelt immer die Phantasien der Börsianer, und beflügelte Phantasien beflügeln zumeist auch die Börsenkurse des jeweiligen Unternehmens.

Ich weiß das. Die Staatsanwaltschaft weiß das. Die Manager von Air Berlin wussten das.

Der von der Staatsanwaltschaft datierte Zeitpunkt der Insidertrades lag im Juni 2006, der Kauf der dba erfolgte im August 2006. Stand der Kurs von Air Berlin im Juni ungefähr bei 11 Euro, so stieg er in den Monaten nach der Übernahme auf bis zu 20 Euro.
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Quelle: Finanzen.net

Dies entspricht einer Wertsteigerung von knappen 90%; hätten die Beschuldigten die von den Medien genannte Summe von 1,5 Millionen Euro investiert, so hätten sie bei einem Verkauf der Anteile im März dieses Jahres satte 1,35 Millionen in die Privatkasse gewirtschaftet. Leider konnte man den Medienberichten nicht entnehmen, ob die Beschuldigten die Aktien noch besitzen oder schon wieder veräußert haben. Da sie die Mechanismen der Börse ja kannten, hätten sie aber schon gehandelt haben müssen und ihre Beteiligungen wieder abgestoßen haben.

Denn eine Regel folgt fast zwangsläufig auf die zuvor gestiegenen Preisen der Aktien: irgendwann müssen die Aktionäre meistens feststellen, dass die Phantasien wohl etwas blühender waren als die realen Geschäfte, und die Kurse brechen wieder ein. Mittlerweile befindet sich der Kurs von Air Berlin bei ungefähr 15 Euro pro Aktie.

Ich weiß das. Die Staatsanwaltschaft weis das. Und die Beschuldigten wussten das natürlich auch.

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Frei Schnauze

"Nach uns die Sintflut ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation." - Das Kapital. Band 1. Zweiter Abschnitt, Achtes Kapitel

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