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Dienstag, 24. April 2007

Nicht mein Bier.

So oder so ähnlich könnten die Pressemitteilungen der vier Brauereien InBev (in Deutschland unter anderem mit den Marken Becks, Diebels, Hasseröder Franziskaner und Löwenbreu vertreten), Heineken (Desperados, Kulmbacher, Paulaner, Mönchshof), Grolsch und Bavaria in den letzten Tagen gelautet haben. Denn die Vier wurden von der EU Wettbewerbs-Kommission zu Geldbußen in Höhe von 273 Millionen Euro verurteilt. Nicht eingerechnet sind 84,374 Millionen Strafe für InBev, die erlassen wurden, weil InBev vom "Petzer-Paragraph" profitierte, und "unter Berufung auf die Kronzeugenregelung Informationen über seine Beteiligung an weiteren Kartellen in anderen Europäischen Ländern [lieferte]."

Über die Kartelle diskutierten die Unternehmensleitungen (!) der verschiedenen Unternehmen auf verschiedenen inoffiziellen Zusammenkünften;

meine Phantasie gewinnt die Oberhand; ich sehe vier große schwarze Limusinen, gefahren von anzugtragenden Chauffeuren, eine aus jeder Himmelsrichtung kommend. Sie treffen sich in einem noblen, aber weitestgehend unbekannten Restaurant in irgendeiner Stadt, Maastricht, Antwerpen, Eindhoven; oder in einer anderen. Die Limusinen halten, unterwürfige Diener eilen heran und öffenen unterwürfig die hinteren Türen der Prachtkarossen, es steigen in königlich anmutender Manier ein paar anzugtragende "Führungskräfte" aus; sie begrüßen sich herzlich, umarmen sich, man kennt sich, die Welt ist klein, wahrscheinlich haben die Vier sogar einen gemeinsamen Lobbybetreuer für die Politiker in Brüssel und in den Niederlanden, man will sich nicht in die Quere kommen. Es könnte sogar sein, dass sie alle mit demselben Flieger aus dem Urlaub zurückkamen, wo sie im selben RobinsonClub Hotel die Golfanlage und die örtlichen Prostituierten näher unter die Lupe genommen haben. Vielleicht scheint die Sonne und einige der Herren haben auch eine Sonnenbrille, eine Ray-Ban, weil sie genauso cool sein wollen wie Will Smith in Men in Black. Die Gruppe macht sich auf den Weg ins Restaurant, diskret, das Nebenzimmer ist schon für sie reserviert, auf Aktionärskosten natürlich; gebucht unter, sagen wir, Verkaufsördernde Maßnahmen oder Auslagen für geschäftliche Treffen. Erst einmal angekommen wird sogleich die Speisekarte durchgeackert, keine Zeit, ja, bringen sie mir einfach das Beste was sie haben, (gebucht unter: Geschäftsessen), kommen wir zum Thema. [...] Sie verlassen den Raum, bestens gelaunt, ja, richten sie ihrer Frau ein paar schöne Grüße aus, und den Kindern auch, frohes Gelingen, und nicht vergessen: Ein Bier kostet im Supermarkt ab jetzt nicht mehr 69 Cent, sondern 79. Alles Klar, tschüssikowski. Die unterwürfigen Diener öffnen die hinteren Türen der Achtzylinderumweltverschmutzungsmaschinen, die hohen Herren steigen ein und düsen davon; ab jetzt Kostet ein Bier 79 Cent.

Okay, zurück zur Realität.
Erwiesen ist auch, dass sich die Unternehmen der Rechtswidrigkeit ihres Verhaltens bewusst waren und Maßnahmen ergriffen, um nicht entdeckt zu werden.
Vielleicht passend dazu ein Beitrag des Manager-Magazins, den ich gestern auf der Homepage lesen durften, er handelt von einem neuen Trend: von Managern, die ihr Unternehmen von hinter schwedischen Gardinen leiten; scheinbar funktioniert das ganz gut. Abschreckend sind die Haftbedingungen jedenfalls nicht.

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Frei Schnauze

"Nach uns die Sintflut ist der Wahlspruch jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation." - Das Kapital. Band 1. Zweiter Abschnitt, Achtes Kapitel

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